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Bericht zu "Die Rückkehr Scheels"

An dieser Stelle vielen Dank an Axa LavEnka aus Thalassa, Sohn von Owo alias Felix Ruzzoli für seine Muse und seine Mühen!

von Thalassa nach Greuelsheim

Tag 1

Als meine Gefaehrten Calandryll und Vaduil und ich die Markgrafschaft Greuelsheim erreicht hatten, waren wir uns schnell einig das hier recht bekannte Wirtshaus zur Explodierenden Rune aufzusuchen um dort unser Lager aufzuschlagen. Nahe eine grossen Handelsstrasse lag der Pfad den wir zu gehen hatten und an ebendieser Abzweigung standen einige Gestalten die sich gerade zu beraten schienen. Auf den ersten Blick konnte man eine Ordenskriegerin erkennen, welche sich alsdann als Kadija vorstellte, eine Alchimistin, Riosa war ihr Name, ein reisender Handelsmann namens Zynobius, der Soeldner Thoron, der mir schon in Thalassas Waeldern begegnet war und ein Geweihter der heiligen Birgit, Bruder Erdinger war sein Name. Als wir feststellten das wir alle der gleichen Einladung zur explodierenden Rune folgten, beschlossen wir den folgenden Weg zusammen zu bestreiten. Wir hatten auch schon ein gutes Stueck Weg hinter uns gebracht und kamen gerade an einem hochbewachsenem Maisfeld vorbei, als ploetzlich zwei gruenhaeutige Gestalten aus eben diesem Feld hervorgesprungen kamen. Sie schienen im Streit miteinanden gewesen zu sein, als sie uns jedoch erblickten hatten sie sofort ein neues Ziel fuer ihre Feindseligkeit auserkoren, die beiden kamen bestimmt auf uns zu. Wir zogen unsererseits die Waffen uns gingen ihnen entgegen, wir konnten auch beide recht schnell erschlagen, einer jedoch schaffte es Bruder Erdinger vorher noch eine Bisswunde zuzufuegen. Wir verbanden die Verwundung notduerftig und sahen uns dann die Angreifer genauer an. Ihre gruene Haut liess einige aus unsere Gruppe darauf schliessen das es sich um Orks handeln musste, seltsam allerdings waren die Schwarzen Male in ihren Gesichtern und entlang ihren Armen, Schlangengleiche schwarze Striche. Wir trugen die beiden Leichen an den Wegesrand und bedeckten sie mit etwas Holz, Bruder Erdinger sprach noch einen letzten Segen auf die armen Kreaturen und dann verliessen wir diesen Kampfplatz so schnell wie moeglich.

Wir erreichten nach einem kurzem ereignislosem Fussmarsch das Lager an der Taverne. Wir alle waren froh uns ein wenig ausruhen zu koennen. Eine Amulettverkaeuferin namens Miracula versuchte ihre vorgeblich magischen Artefakte an den Mann oder die Frau zu bringen, jedoch mit vergleichsweise wenig Erfolg, besonders nachdem das eigenartige blinde Spitzohr diese Gegenstaende als offensichtlichen Betrug bezeichnet hatte.
Weder Sheel noch Zork waren bis jetzt hier im Lager angekommen noch hatten man etwas von ihnen gehoert, dies reihte sich nahtlos in die Liste der Merkwuerdigkeiten die bis jetzt schon aufgefallen waren. Ein gutes Exempel ist der Elf, Fion ist sein Name, welcher in einer Phase der Blindheit steckt und nach seiner Aussage einen magischen Trank benoetigt um diese Krankheit zu ueberwinden. Auch sein Bekannter Ludwig verhaelt sich hoechstmerkwuerdig, redet er zuerst noch freigiebig darueber das man Fion helfen muss, rennt er im naechsten Moment schon zornig in "seinen" Wald und folgt Stimmen die nur er hoeren kann. Auch Fion faengt bald an diese Stimmen zu hoeren und sich alleine in den Wald begeben zu wollen, wir einigten uns darauf das zu verhindern. Um eventuell zumindestens Fion wieder zur Vernunft bringen zu koennen, beschlossen Vaduil und ich die fuer Fions Heiltrank benoetigten Kraeuter ausfindig zu machen um ihn so moeglicherweise kurieren zu koennen. Der Elf erwaehnte noch etwas: Falls er sich nach dem Trinken des Elixirs nicht mehr an uns erinnern koenne, so sollten wir unsere Klinge gegen ihn wenden. Er schenkte mir fuer unsere Hilfe seinen Dolch und trank das Gebraeu runter das die Alchimistin mit den von uns gesammelten Kraeutern gebraut hatte. Danach ging er sich hinlegen, was der Trank bewirkte sollte sich spaeter zeigen.

Nachdem einige Zeit des Ruhens im Lager vergangen war wurden wir auch schon wieder jaeh aus dieser Ruhe aufgeschreckt. Ein Ork, verwundet und stolpernd, torkelte in unser Lager. Er stammelte "Sheel", es war eine riesige Aufregung alles rief "Ork! Ork!". Thoron, der Soeldner hoerte dieses Rufen, griff in aller Ruhe zu seinem Schwert, trat vor das Zelt, sah den am Boden liegenden, noch lebenden Ork und streckte ihn mit nur einem Hieb nieder. Nicht nur Calandryll und mir war das ein wenig zu schnell gegangen, es waere ja moeglich gewesen das diese Ork keine Feindseligkeiten im Sinn hatte, schliesslich war auch Sheel bei einem freundlichem Orkstamm untergekommen. Auch stellten wir fest das der tote Ork keine schwarzen Zeichen im Gesicht hatte. Es war allerdings deutlich eine Blutspur zu erkennen die dort wo er herkam tiefer in den Wald hinein fuehrte. Wir liessen einige bewaffnete im Lager zurueck und bildeten aber sofort einen Trupp der den Blutspuren des Orks folgen sollte. Wir verfolgten den Weg den der verletzte Ork gemacht hatte zurueck bis zu einer Stelle tief im Wald, hier waren mehrere Baumstuempfe im Kreis angeordnet. In der Mitte des Sitzkreises befand sich ein zerbrochenes hoelzernes Auge, derart fanden wir noch weitere vier, allerdings unbeschaedigt, sie hingen um uns herum in den Baeumen. Ein paar Schritte von dieser beaeugten Stelle entfernt stand ein kleiner Altar aus Steinen, eine Opfergabe lag darauf, ein paar gelbe Blumen. Wie uns ein Einheimischer erklaerte, war dies der Ort der alten Macht, eine Art Natuergottheit. Wir untersuchten den Ort, wagten aber nicht das zerbrochene Holzauge zu beruehren und stellten ausserdem fest, das die Blutspuren des Orks noch weiter in den Wald hinein fuehrten. Wir gingen weiter und fanden bald mitten im Wald eine eigenartige Konstruktion. Mehrere Stoecke waren zu einen Gestell aufgebaut worden, darueber lag ein weisser filziger Stoff, der aussah wir zusammengefaltete Spinnenweben. In der Mitte der Holzstoecke, am Boden, lag ein menschlich anmutender Schaedel mit zwei roten Runen auf der Stirn, daneben einige eingerollte Pergamente. Um das alles herum lagen fuenf kleine Edelsteine kreisfoermig angeordnet. Gildor erkannte diesen Ort als einen Elfengrab wieder und meinte er wolle sich dieses Grab kurz beschauen. Auch Calandryll machte sich daran das Grab zu untersuchen, er macht einige Notizen. Einige von uns folgten allerdings der immer noch weiter fuehrenden Spur, diese halbtote Ork musste unglaublich stark gewesen sein, dass er trotz des ganzen Blutverlustes es geschafft hatte sich bis in unser Lager zu schleppen, wo ihn dann der schnelle Tod erwartet hatte. Die Vordersten unserer Gruppe hatten nach einem guten Stueck weiter durch den Wald ploetzlich Bewegungen wahrgenommen. Wir alle blieben auf der Stelle ruhig stehen und versuchten mit unseren Blicken den dichten Wald zu durchdringen. Jetzt konnten wir sie erkennen. Es schien ein Lager der Orks zu sein, welche in diesem Wald leben, sie schienen allerdings wegen irgendetwas voellig ausser sich zu sein, denn sie warfen mit Faessern und Holz um sich und gebaerdeten sich wie Verrueckte. Als wir naeher kamen schienen sie uns erst recht spaet zu bemerken, dann allerdings fiel uns auf das wir nicht mehr ganz so Kampfkraeftig waren wie zu Beginn unserer Reise, viele der Schwergeruesteten waren noch zurueckgeblieben um beispielsweise der Untersuchung des Elfengrabes noch beizuwohnen. Jetzt hielten wir langsamen und geplanten Rueckzueg erst einmal fuer die bessere Wahl. Doch die Orks machten uns einen Strich durch diese einfache Rechnung, fuenf von ihnen stuermten recht schnellen Schrittes auf uns ein und wir setzten uns so gut wie moeglich zur Wehr. Zynobius konnte ein paar heftige Hiebe austeilen, ehe ein Treffer am Schienbein ihn zu Boden streckte. Colm hielt sich auch recht wacker musste aber sogar zwei Treffer einstecken, einen tiefen im Ruecken, ein Ork hatte mit seiner Axt wenig Ruecksicht bewiesen. Auch mein Gefaehrte Vaduil war leicht am Bauch getroffen worden, so dass ich erst einmal ein paar der haeufiger vorkommenden Heilkraeuter sammelte. Auch die Zigeunerin musste ein paar Hiebe ertragen, sie verlor schnell Blut bevor die Blutung gestoppt werden konnte fiel sie schon in Ohnmacht. Waere nicht zumindestens die tapfere Ordenskriegerin Kadija bei diesem Scharmuetzel bei uns gewesen, waere es wahrscheinlich noch schlimmer ausgegangen. Ich selbst trug keine Verletzungen davon, das hatte ich aber auch mehr meinem Glueck als meinem Kampfesgeschick zu verdanken. Diejenigen die eben noch die Vorhut gebildet hatten, rafften nun ihre Verletzten zusammen und machten sich auf den Weg zurueck in das Lager, da die Nacht schon anzubrechen begann. Die anderen jedoch machten sich auf das Orklager zu durchsuchen. Und was waren sie erstaunt als sie den armen Sheel dort gefesselt und gebunden vorfanden. Er wurde natuerlich befreit und versorgt. Man hatte beschlossen die Pergamente, welche am Elfengrab lagen, mitzunehmen um sie spaeter lesen zu koennen. Nun kehrten alle wieder in das Lager bei der explodierenden Rune zurueck um sich dort die Ereignisse zu berichten.

Sheel begann zu erzaehlen: er lebte nun schon seit einiger Zeit bei dem Orkstamm hier im Wald, doch erst seit vier Wochen haetten sie begonnen sich merkwuerdig zu verhalten. Einige von ihnen trugen auf einmal schwarze Linien im Gesicht und verhielten sich aggressiver als normalerweise. Das ging soweit das die Orks irgendwann anfingen sich gegenseitig zu zerfleischen. Zork, Sheels Ziehsohn, musste sogar seinen besten Freund im Kampf toeten, weil dieser besessen war. Als die schwarzgezeichneten Orks anfingen in der Ueberzahl zu sein, wurde Sheel dann gefesselt und im Lager festgehalten. Nun, bis wir kamen und ihn befreiten. Calandryll hatte auch etwas ueber den Sitzkreis mit den hoelzernen Augen drumherum zu berichten. Bei einer magischen Analyse habe sich ihm erschlossen, dass dieser Ort Bilder verschicke, wohin, so sagte er, sei ihm unbekannt. Mit diesen Informationen an der Hand hielten wir es fuer das Beste uns die Schriftrollen einmal anzuschauen, welche wir bei dem Elfengrab gefunden hatten. Es schien eine alte Elfische Schrift zu sein, zumindest sagten die anwesenden Gelehrten das. Es liess sich ausser Sheel niemand finden der in der Lage war dieses Schriftstueck zu uebersetzen, so baten wir denn ihn darum. Er versprach sich so bald es ihm besser ging an die Arbeit zu gehen, warnte aber auch davor, dass es einige Zeit dauern koennte, da es immerhin sieben Seiten waren.

Es war schon recht Dunkel geworden und die meisten von uns sassen bei einem erquickendem Trunk in der Taverne oder draussen am Feuer. Es wurden vergnuegte Gespraeche gefuehrt und die Lasten des Tages schienen wieder von uns allen abzufallen. Da erklangen ploetzliche Schreie von draussen. Die meisten griffen Sofort zu ihren Waffen, auch ich rannte zu meinen Zelt, schnappte mir mein Langschwert um draussen nach dem rechten zu sehen. Da sah ich sie auch schon: fuenf schwarze Gestalten, sie wirkten verwest und Tot aber sie bewegten sich eindeutig und waren auch nicht hier um Nettigkeiten auszutauschen was man deutlich an ihren zischenden Ausdruecken der Agression erkennen konnte. Wir hatten es hier wohl mit Untoten zu tun, diese hier hatten ausserdem auch noch Runen auf der Stirn, was man allerdings nur aus kurzer Distanz erkennen konnte. Die Untoten schienen ein ganz bestimmtes Ziel zu verfolgen, sie suchten jemanden. Dieser Jemand schien sich im Wirtshaus zu befinden, denn dieses versuchten sie verzweifelt zu betreten. Der Kampf mit diesen unnatuerlichen Wesen gestaltete sich recht schwierig, da sie jedes mal wieder aufstanden wenn man dachte man haette sie erledigt. Sogar das Enthaupten der Angreifer fuehrte nicht zum gewuenschten Erfolg, diese Untoten waren wirklich hartnaeckig. Als ich mich draussen zusammen mit Zynobius von der einen auf die andere Sekunde im Kampf mit zwei Untoten wiederfand, wurde ich kurzerhand am Arm getroffen und musste mein Schwert fallenlassen. Ich hob es mit der Linken wieder auf und versuchte noch wiederstand zu leisten, wurde dann aber auch an dem Arm verwundet und versuchte mich dann in die Taverne zu retten, die Tuer allerdings wurde von innen blockiert, so dass ich draussen zusammenbrach und die Untoten ueber mich herfielen. Ich fuehlte mich sehr geschwaecht, als haetten sie mir Lebenskraft entzogen. Als ich es wagte die Augen wieder zu oeffnen waren die Unoten verschwunden und ein heilloses durcheinander im Lager entstanden. Bald fanden mich auch einige meiner Gefaehrten und trugen mich in die Taverne, wo ich verbunden wurde und Bruder Erdinger Birgit um Hilfe bat und mich mittels eines kleinen Trunkes wieder staerkte. Nach einiger Zeit am waermenden Feuer ging es mir auch schnell wieder besser. Vaduil und ich beschlossen noch in dieser Nacht eine Wildfalle aufzustellen um uns eine seperate Nahrungsquelle offenzuhalten. Wir gingen dann alle schlafen um frisch gestaerkt den naechsten Tag erleben zu koennen.

Tag 2

Am naechsten Morgen war ich schon recht frueh wach und war erstaunt ueber die friedliche morgendliche Stille die ueber dem Lager lag. Bald erwachten auch die ersten anderen und wir begannen mit dem Feuermachen. Nach dem vorzueglichen Fruehstueck beschlossen wir die Erkenntnisse des gestrigen Tages am Lagerfeuer zu diskutieren. Jeder erzaehlte alles was er ueber diesen eigenartigen Wald und die Vorkommnisse hier wusste. Sheel gab ausserdem den Inhalt der nun uebersetzten Pergamente aus dem Elfengrab wieder. Es war dort von einem Kampf zwischen gruenen und schwarzen Schlangen die Rede, ausserdem von drei Spiegelkristallen, welche die Elfen zum Schutze vor dem Uebel haben anfertigen lassen. Dieses Uebel sollte aus einem schwarzen Ei geboren werden. Es wurden auch drei Elfen als Waechter fuer diese Kristalle eingesetzt und die Pergamente erwaehnten auch noch einen Waechter des Waldes. Wir kamen zu dem Schluss, dass die schwarzen Male in den Gesichtern der Besessenen ein Zeichen der schwarzen Schlangen seien und dass wir das schwarze Ei vermutlich an dem Ort finden wuerden von dem die Besessenen kamen.
Drei von uns hatten waehrend der Nacht Traeume gehabt, Ludwig, Fion und Gildor. Jeder von ihnen hatte von einem Elfengrab getraeumt, dies schienen die Orte zu sein, die wir finden mussten.

Wir wurden jaeh in unseren Gespraechen gestoert als urploetzlich einige Gestalten am Waldrand auftauchten. Wir waren allesamt recht schnell bei den Waffen und beobachteten die Gestalten nun beim Naeherkommen. Als sie schon recht nah am Lager waren, erkannten wir bewaffnete Bauern in ihnen, sie verhielten sich aber merkwuerdig aggressiv und unnatuerlich. Es stellte sich schnell raus, dass auch sie besessen waren, naemlich als sie wild schreiend in das Lager einfielen und wir die schwarzen Schlangenlinien in ihren graesslichen Fratzen erkennen konnten. Sie waren jedoch nicht viele, so dass es uns recht einfach gelang sie wieder in die Fluch zu schlagen und sie zum Rueckzug zu zwingen, allein zu toeten vermochten wir keinen von ihnen.
Der Elf Fion hatte inzwischen einen sehr eigenartigen Wandel durchgemacht, trug er gestern noch ein helles Gewand in den Farben des Waldes, war er heute bleich im Gesicht, trug einen langen schwarzen Kapuzenmantel und erinnerte sich an kaum etwas. Auch versuchte er staendig alleine in den Wald zu laufen, einen besseren Ort aufsuchen wollend, wie er meinte.
Die Situation wurde immer bedenklicher als sich bei einigen vorher unauffaelligen Leuten auch anfingen schwarze Striche im Gesicht zu bilden. Ludwig und Fion waren vorher schon nicht davon abzubringen gewesen alleine in den Wald zu stapfen, so dass wir nun Massnahmen ergreifen mussten. Wir fesselten Ludwig und Fion und ausserdem die beiden Frauen, welche nun auch schwarze Striche im Gesicht hatten, die Alchemistin Riosa und eine Magd.
Es sollte sich schnell rausstellen, dass wir uns das Fesseln der Besessenen wohl auch haetten spaeren koennen. Nur wenige Minuten nachdem wir die Schwarzgezeichneten angebunden hatten, kamen auch schon weitere kampfeslustige Gestalten aus dem Wald. Da wir beim letzten Scharmuetzel auch keine Moeglichkeit gehabt hatten sie auch nur leicht zu verwunden, hielten wir uns zurueck und versuchten uns nur zu verteidigen. Leider gelang es nicht die Angreifer davon abzuhalten, die von uns gefesselten Besessenen zu befreien. Breit grinsend zogen sich die nun Zahlenmaessig verstaerkten zurueck zu ihrem schwarzen Ei.

Nun hiess es schnell handeln bevor noch mehr von unseren Gefaehrten zu den Besessenen gehoeren wuerden. Wir hatten mittlerweile herrausgefunden, dass die Infektion von verseuchten Huelsenfruechten ausging, den Litschis. Es scheint als haetten am gestrigen Abend einige von uns von diesen Fruechten gegessen, welche in der Naehe gesammelt worden waren. Es ging jetzt vor allem darum diese drei Kristalle ausfindig zu machen, zu diesem Zweck liessen wir uns von Fion fuehren, welcher letzte Nacht auch einen Traum von Elfengraebern gehabt hatte und jetzt zu diesem besseren Ort hinwollte. Wir machten uns also auf und folgtem dem eigenartigen Elf in den Wald. Wir fanden nach einiger Zeit auch wirklich einen Ort, der wie die Grabstaette zweier Elfen wirkte. Es waren dort zwei weisse Kokons mit Gestalten darinnen zu sehen, sie hockten einander gegenueber und hatten jeweils eine weisse Schale vor ihren Fuessen aufgebahrt. Wir konnten in diesen Schalen hineinschauen und stellten schnell fest, dass in jeder der beiden eine grosse Kristallscherbe lag. Als wir diesen heiligen Ort erreicht hatten, fingen die Gestalten in den Kokons leise aber bestimmt an Wortfetzen an uns zu richten. "Haut ab", "Ihr stoert unsere Ruhe", "Verschwindet", zischten sie. Unser Magier Calandryll stellte bei einer arkanen Untersuchung der Staette fest, das es sich hier tatsaechlich um die beiden alten toten Elfenwaechter handelte, die eben die beiden Kristalle bewachten, welche wir auch brauchen wuerden um die drohenden Gefahren abzuwenden. Wir versuchten mit ihnen zu reden um sie um die Herrausgabe der Kristallscherben zu bitten, aber wir bekamen nur ein "Diebe" als Antwort. Auch unser Elf Fion, war nicht in der Lage zu vermitteln, es schien als seien diese Elfenwaechter ziemlich stur was ihre Waechteraufgabe anging. Auch Vaduil und ich, als Kinder des Waldes, versuchten etwas ueber diesen Ort herrauszufinden indem wir uns in Meditation begaben und eins mit dem Wald wurden. Ich konnte kaum etwas wahrnehmen, Vaduil jedoch erschloss sich eindeutig eine Gefahr fuer diesen Wald. Nach langen Ueberlegungen kamen wir ueber ein, dass die einzige verbleibende Moeglichkeit, der plumpe Diebstahl der Kristalle war. Bruder Erdinger, natuerlich nicht ohne vorher ein ausfuehrliches Gebet an die heilige Birgitt zu sprechen, begann damit den ersten Kristall zu nehmen. Nachdem er ueberlebte, schnappte ich mir den zweiten und wir alle begannen zu rennen, schliesslich kann man nie sicher sein..
Es stellte sich raus, dass die alleinige Folge unseres Raubes, der endgueltige Tod der beiden Elfenwaechter war, nachdem wir die Kristalle entfernt hatten, sanken sie leblos in ihren Kokons zusammen.
Wir begaben uns nun zum Ort der alten Macht um dort nochmals Nachforschungen anzustellen. Wie wir beim Naeherkommmen herrausfanden, liessen sich die Spiegelkristalle nicht naeher als ungefaehr zehn Klafter an den Ort der alten Macht heranbringen. Eine unsichtbare Kraft, hielt die Steine vom Eindringen in diesen Schutzbereich ab. Deswegen ging eine Gruppe ohne die Steine vor um die alte Macht zu beschauen. Da wir wussten, dass es moeglich war die alte Macht um Hilfe zu bitten, kniete sich Thoron an den Altar, brachte ihr einen Edelstein als Opfer dar und bat stellvertretend fuer uns alle um Hilfe. Er zuckte ploetzlich wild und unkontrolliert und warf sich wie ein verrueckter hin und her, es waren vier Maenner noetig um ihn ruhig zu stellen. Als Thoron wieder bei Sinnen war, erzaehlte er von einer Vision die ihn ereilt hatte. Es ging darin auch um die schwarzen und gruenen Schlangen und ihren Kampf, welcher sich in diesem Wald in einem Hoehepunkt ergiessen sollte. Der Soeldner sprach auch von einem Geschoepf, mit Schlangen in den Haaren, welches aus dem Ei schluepfen wuerde. Man konnte im allgemeinen Gemurmel oft das Wort "Medusa" fallen hoeren, es schien als wuerden wir es mit einem solchem Wesen aufnehmen muessen. Wir mussten dringend den letzten Spiegelkristall finden um somit gewappnet zu sein wenn diese Medusa schluepfen sollte.
In einem unbeobachteten Augenblick versuchte der noch immer verwirrte Fion sich einen der erbeuteten Kristalle zu schnappen und damit abzuhauen. Wir bemerkten seinen Fluchtversuch jedoch frueh genug und konnten ihn aufhalten. Wir beschlossen nun erstmal in unser Lager zurueckzukehren um die Situation neu zu beurteilen.

Bei der Rueckkehr in`s Lager erwartete uns eine nicht sehr erfreuliche Ueberraschung, es waren weitere unserer Gefaehrten mit schwarzen Strichen gezeichnet worden. Sheel und ein wandernder Bauer namens Tolkar, im Besitz einer grossen Keule, trugen die Male, sie verhielten sich zwar nicht direkt feindselig aber doch deutlich aggressiver und deutlich anders als zuvor. Die beiden Spiegelkristalle hatten wir beim betreten des Lagers auf einen Holzstamm aufgebahrt, welcher deutlich sichtbar in der Mitte des Lagers stand. Besonders bemerkenswert waren Sheels Bemuehungen uns dazu zu bringen zusammen mit den Steinen zu dem schwarzen Ei zu gehen. Er behauptete dies sei jetzt die eizige Moeglichkeit, man muesse sofort mit den beiden Kristallen aufbrechen, er war sehr erregt und draengte darauf die Kristalle an sich nehmen zu duerfen. Es herrschte grosse Aufregung unter uns "normalen", aber die meisten dachten doch auch, dass es keine gute Idee sei diesen Schwarzgezeichneten unsere einzige Hoffnung auf einen Sieg in die Hand zu druecken. Als Sheel immer zudringlicher wurde und ankuendigte die Steine einfach an sich nehmen zu wollen, nutzte ich einen unbemerkten Augenblick um die Steine von ihrem offensichtlichen Aufbewahrungsort zu entfernen und einige Meter weiter hinter einigen Zelten und zwischen zwei Baumstaemmen zu verstecken. Das schien ein gute Idee gewesen zu sein, denn Sheel und der Bauer waren soeben dabei nach den Steinen zu schauen um sie einfach mitzunehmen, doch sie lagen nicht mehr auf dem Baumstamm wo sie vorher noch zu sehen waren. Wir fassten nun einen vorlaeufigen Plan, waehrend einige Leute im Lager blieben und versuchten Sheel und Tolkar durch Gespraeche abzulenken, sollten Gildor und sein Gefaehrte Rigo versuchen im Ruecken der beiden den Weg zum Ei zu machen um die Lage dort auszukundschaften. Als sie zurueckkehren berichten sie von dem mittlerweile groesser gewordenem schwarzen Ei, welches von einer Anzahl Besessener Litschiesser und dem dritten Kristall den sie auch in ihrem Lager hatten.

Offensichtlich hatten unsere Kundschafter die Besessenen bei einer wichtigen Zeremonie gestoert, auf jeden Fall bliesen sie wieder zum Angriff, wir konnten mehrere Gestalten am Waldrand erkennen sie schwangen ihre Waffen und schienen regelrecht erfreut ueber das bevorstehende Gemetzel. Doch diesmal hatten wir auch schon ein neue List geplant. Wir stellten naemlich fest, dass sie allesamt ihr Lager fuer diesen Angriff verlassen hatten. Als Folge dessen wurden Colm, Gildor, Rigo und ich als schnelle Laeufer bestimmt um zu versuchen wiederum in den Ruecken der Angreifer zu rennen und ihr Lager vor ihnen zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch davon ueberzeugt es gaebe auch einen Litschibaum, den man haette zerstoeren koennen um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Die anderen versuchten die Angreifer moeglichst lange zu beschaeftigen, so dass sie uns erst recht spaet bemerken wuerden. Wir vier sprinteten also los, doch leider hatten die letzten der Ausrueckenden uns hinter ihnen auftauchen sehen, wir hatten also recht schnell Verfolger im Nacken und es schien uns nicht viel Zeit zu bleiben. Da Colm und ich leichter geruestet waren, konnten wir auch schneller laufen, Gildor und sein Gefaehrte blieben immer mehr zurueck. Dann hoerten wir die Rufe, "Wir verschaffen euch Zeit, lauft!", von den beiden hinter uns, Gildor und Rigo blieben stehen um die Verfolger aufzuhalten und uns ein paar noetige Sekunden zu schenken. Wir liefen weiter so schnell wir konnten und erreicht dann auch ihr Lager, wir sahen jedoch auch schon die ersten Besessenen auf uns zukommen. Colm und ich schauten uns gehetzt um, konnten aber den Kristall nicht sehen, ich fuehrte einen harten Streich gegen das, was ich fuer den Litschibaum gehalten hatte, es war aber das schwarze Ei, welches voellig unbeeindruckt von meinem Schlag blieb. Als wir merkten, dass wir nicht in der Lage waren hier etwas auszurichten, die Infizierten allerdings immer naeher kamen, kamen wir recht schnell ueberein, dass nun der Zeitpunkt der Flucht gekommen war. Wir flogen geradezu weiter den Hang hinunter, weg von den Verfolger und leider auch unserem Lager. Es ging in schnellem Schritt ueber Wurzeln, Dornen, Buesche, Hecken und einen Zaun. Als wir ein gutes Stueck weg hinter uns gebracht hatten, konnten wir sicher sein nicht mehr verfolgt zu werden, diese Strapazen waeren den Gezeichneten sicher zu anstrengend gewesen. Wir machten uns auf den langwierigen und umstaendlichen Weg zurueck in das Lager. Dort angekommen trafen wir auch die anderen wieder, es war jedem von uns die
Flucht gelungen.

Wir verliessen das Lager komplett um niemanden zuruecklassen zu muessen, falls die Besessenen angreifen sollten. Ich teilte Calandryll, Thoron und Vaduil das Versteck der Spiegelsteine mit, damit im Falle meines Todes nicht alle Hoffnung verloren war. Wir beschlossen zuerst noch einmal den Ort der alten Macht aufzusuchen, dort erreichten wir leider nichts was uns weitergeholfen haette. Als wir versuchten in unser Lager zurueckzukehren, trafen wir schon kurz vorher wieder auf Schwarzgezeichnete, da wir noch immer keinen von ihnen hatten toeten koennen, hielten wir einen Kampf fuer Sinnlos. Die Infizierten, namentlich Ludwig, welcher das Wort gefuehrt hatte, wollten die Steine von uns haben und dachten uns zur Herrausgabe zwingen zu koennen. Wir gingen den Weg den wir gekommen waren wieder ein wenig zurueck um nicht direkt von den Besessenen beobachtet zu werden und berieten uns. Rigo und Gildor wollten es noch einmal versuchen und zogen zu zweit los um den dritten Kristall zu holen, bevor noch jemand richtig etwas dafuer oder dagegen haette sagen koennen. Wir anderen dachten eine Weile ueber Alternativen nach, doch diese wurden langsam knapp, einige dachten schon wegen der grossen Gefahr an eine Abreise. Die Rueckkehr der beiden wagemutigen verzoegerte sich immer mehr und wir stellten einen zweiten Plan zusammen. Die beiden Waldlaeufer, also Vaduil und ich, sollten sich von hinten an das Lager der Gegner anschleichen um es auszukundschaften. Wir beide stimmten der Idee zu und entledigten uns schwerer, sperriger Gegenstaende wie auch unseren Waffen und begaben uns in den Wald. Wir wollten kein Risiko eingehen und direkt in ihrem Ruecken landen, dazu war es noetig das Gelaende weitraeumig zu umgehen. Wir hatten einen langen dornigen Weg vor uns, taten aber dennoch unser moeglichstes um moeglichst lautlos und schnell vorzuruecken. Nach einiger Zeit kamen wir naeher, denn wir hoerten Stimmen. Der Zeitpunkt unserer Ankunft schien absolut perfekt, denn soeben waren die Besessenen gutgelaunt von ihrem Lager aufgebrochen, wir sahen sie ueber uns auf dem Pfad. Nachdem sie allesamt an uns vorbei gekommen waren, betraten wir ihr nun leeres Lager. Wir sahen sofort, das jetzt auf imposante Groesse herangewachsene schwarze Ei vor uns, welches auf auf einem Holzstumpf wie auf einem Altar thronte. Doch leider war der dritte und letzte Spiegelkristall nicht zu finden. Wir durchsuchten das Lager gruendlich und mussten dann leider zu dem Schluss kommen, dass sie ihn wohl bei sich gefuehrt hatten. Wir kehrten also zu unseren Gefaehrten zurueck und berichteten von unseren Erkenntnissen. Gildor und Rigo waren zu unseren grossen Beunruhigung noch nicht wieder zurueckgekehrt, sie waren wohl leider auch zu Litschiessern geworden.

Unsere Gruppe hatte ihre Ruestung mittlerweile den Umstaenden angepasst, was im Prinzip hiess, dass alle schweren Dinge abgelegt wurden um schneller laufen zu koennen. Der Kampf gegen diese Besessenen schien uns unmoeglich, da sie fast unverwundbar wirkten. Wir konnten nur feststellen, dass ihre Kraft von der Naehe zu dem schwarzen Ei abhaengig war, entfernten sie sich zu weit davon, waren sie keine Gefahr mehr. Die Eianbeter hatten mittlerweile unsere Lager besetzt, feierten dort feuchtfroehliche Feste und speisten befriedigt am Lagerfeuer. Es wurde nun von uns vermutet , dass der gesuchte letzte Stein sich in unserem Lager befinden musste. Darauf fusste unser ganzer Plan, Vaduil und ich taten einen Versuch das Lager von einer anderen Seite aus anzugehen. Die Patrouille aus drei Besessenen jedoch, brachte uns schnell dazu zu umzukehren. Ein etwas besserer Plan musste her.

Dieser neue Plan, welcher aus einem Ablenkungsmanoever und anschliessendem verstecktem Vorstoss der Waldlaeufer bestand, wurde auch direkt in die Tat umgesetzt. Vaduil und ich nutzten ein kleines dichtbewachsenes Waldstueck nahe des Lagers als Versteck und warteten nun auf das Ablenkungsmanoever unserer Gefaehrten. Sie schafften es auch tatsaechlich, durch Beschimpfungen, Drohungen und Angriffe, die Besetzer aus der Reserve zu locken. Als der Zeitpunkt gekommen war an dem alle Krieger das Lager verlassen hatten, starteten Vaduil und ich. Wir hetzten durch die letzten Buesche die uns vom Lager trennten und waren auf einmal mitten auf dem Lagerplatz. Nur die verblueffte Amulettverkaeuferin und ein Magd waren dort, beide schauten uns ziemlich verdutzt an als wir wie Spuerhunde durch das Lager jagten, auf der Suche nach dem Kristall. Ich sprintete zu den Rueckseiten der Zelte und konnte meinen Augen nicht trauen als ich dort wirklich den fehlenden Kristall entdeckte. Er lag im hinteren Teil eines Zeltes und ich konnte ihn von aussen erreichen. Ich nahm ihn sofort mit und lief einige Klafter in den Wald, fuer die Flucht schien mir der Kristall jedoch zu schwer und zu sperrig, so dass ich ihn wiederum versteckte. Vaduil hatte ich leider aus den Augen verloren, ich wusste aber nur zu gut, dass er in der Lage war auf sich selbst aufzupassen. Also tat ich was ich konnte um nicht erwischt zu werden, ich lief so schnell wie moeglich. Meine Gefaehrten waren noch immer dabei die Besessenen zu beschaeftigen, ich stiess zu ihnen und verkuendete meinen Erfolg, woraufhin wir alle erst einmal Abstand gewannen um uns beraten zu koennen. Sorgen bereitete uns allerdings, dass Vaduil noch nicht wieder zurueckgekehrt war und wir die Steine immer noch sammeln mussten. Wir verbrachten einige Zeit in wilder Unruhe und Unwissenheit, als ploetzlich Vaduil zusammen mit Elena, der Begleiterin Andres, zu uns stiessen. Die beiden berichteten, dass sie in der Lage gewesen waren die drei Spiegelkristalle einzusammeln und mitzunehmen, sie hatten die Steine in der Naehe der alten Macht versteckt. Da wir alle mittlerweile recht muede waren, begannen wir wieder vorzuruecken um unser Lager zu beobachten. Als wir naeher kamen fiel uns das erneut eigenartige Verhalten der Besessenen auf. Sie verhielten sich wieder wie zuvor, bevor sie schwarze Male im Gesicht hatten, lediglich ein grosses Mass an Ermuedung war bei ihnen festzustellen, ansonsten waren sie voellig friedfertig. Wir staunten und kehrten in unser Lager zurueck, doch auch Befragungen der Gezeichneten konnten die Lage nicht aufklaeren. Skeptisch nahmen wir zusammen mit den Infizierten unser Mittagsmahl ein, auf Litschis wurde unsererseits verzichtet. Mittlerweile war uns ein grober Fehler in Sheels Uebersetzung der Elfenpergamente aufgefallen, Es waren niemals nur drei Spiegelsteine sondern vier. Einer fehlte uns also nach wie vor. Der letzte konnte allerdings recht leicht aufgefunden werden, die Schwarzgezeichneten trugen ihn einfach in einer Tasche bei sich. In ihrem geschwaechtem Zustand gelang es uns durch einige Ueberredungskuenste Calandrylls und Thorons und einer anschliessenden Suche im nahegelegenem Waldrand den vierten und damit endgueltig letzten Spiegelkristall zu ergattern.

Nachdem wir nun endlich alle Kristalle beisammen hatten, begannen einige von uns, allen voran Calandryll, mit der Untersuchung derselben, sie mussten ja irgendwie einzusetzen sein. Waehrend wir noch dabei waren verschiedene Moeglichkeiten des Zusammensetzens auszuprobieren, machte sich die Besessene Horde auf den Weg zu ihrem Ei. Wir befanden das es nun hoechste Zeit sei sie und ihr Ei aufzuhalten und gingen ihnen daher nach, jedoch mussten wir ihnen schliesslich doch einen Vorsprung gewaehren, da wir noch durch das Zusammensetzungsritual Calandrylls aufgehalten wurden. Am Ende dieses Rituals hielten wir zwei Kristallspiegel in der Hand, jeder war aus zweien der Kristalle zusammengesetzt worden. Mit diesen Spiegeln fuehlten wir uns der schluepfenden Medusa gewachsen und gingen nun also bestimmt in Richtung des infizierten Lagers vor.

Als wir uns nun dem Lager naeherten, die beiden Spiegeltraeger moeglichst weit vorne, der Rest immer bereit sich die Haende vor das Gesicht zu halten, war das erste was wir aus der Entfernung sehen konnten etwas, dass einige von uns zuerst fuer einen zugeschnitzten Baumstamm gehalten hatten. Dort unten, in dicken Nebelschwaden, stand ein mindestens drei Klafter grosser, verdorrter Baum mit menschenaehnlichen Formen. Dies muss der Waechter des Waldes gewesen sein, von dem in den Pergamenten auch die Rede gewesen war. Und tatsaechlich bewegte sich dieses riesige, hoelzerne Ungetuem, es fing sogar an zu sprechen. Jedoch gingen seine Worte schnell im Gewuehl unter als das Wesen aus dem Ei zu schluepfen begann. Ein Geruch von Schwefel lag ueber allem und der dichte Rauch der sich hier ueberall ausbreitete sorgte fuer noch mehr unuebersichtlichkeit. Deutlich jedoch nahmen wir die Besessenen war, die um ihr schwarzes Ei herum versammelt sassen, es anbeteten und auf die Vollendung des Schluepfens warteten. Tatsaechlich konnten wir erkennen wie ein Lebewesen sich aus dem Ei pellte, der Zeitpunkt des Handelns war nun gekommen. Wir hielten uns die Haende vor die Augen um die Medusa nicht direkt anzusehen und versuchten so vorzuruecken und unsere Spiegeltraeger zu beschuetzen, deren Aufgabe es war die Medusa dazu zu bringen in die Spiegel zu schauen. Es war ein riesiges durcheinander, dessen Verlauf mir auch nur durch Erzaehlungen meiner Gefaehrten bekannt ist, denn als ich zusammen mit den anderen einige Klafter von der Medusa entfernt war, machte ich den grossen Fehler eine Sekunde an meinem erhobenem linken Arm vorbeizusehen, ich schaute der Schlangenfrau direkt in die Augen und ward zu Stein. Ich war nicht der einzige der auf diese Art in eine steinerne Statue verwandelt wurde, auch Colm und Kadija hatte es erwischt. Doch auch die Spiegeltraeger hatten Erfolg gehabt, die Medusa war ebenfalls versteinert worden. Damit war zumindestens der direkte Einfluss auf die infizierten Gefaehrten verschwunden, sie verhielten sich wieder normal und waren wieder auf unserer Seite, allerdings noch recht geschwaecht. Um die Versteinerung aufzuheben musste laut Calandryll die Medusa zerstoert werden, die Seherin Esther meinte ausserdem, dass man die alte Macht in diesem Fall um Hilfe bitten koennte. Der Baumwaechter oder auch Ent wie viele ihn nannten, stimmte unserem Plan zu, nachdem wir ihm versichert hatten dem Wald nichts anzutun, er schloss sich uns auf dem Weg zur alten Macht an. Die vier steinernen Statuen, Colm, Kadija, ich und die Medusa, wurden getragen.

Der Weg zur alten Macht, fuehrte uns unweigerlich auch an unserem Lager vorbei, als der Ent unser brennendes Lagerfeuer entdeckte, stapfte er wutschnaubend auf und davon. Ansonsten liessen wir uns nicht von unserem Weg abbringen. Und schliesslich hatten wir den harten, schwierigen Aufstieg geschafft. Wir Statuen wurden um den Altar der alten Macht herum postiert und Thoron, der ja schon einmal Bekanntschaft mit der alten Macht gemacht hatte wurde zum Bittsteller auserkoren. Es wurde ein Edelstein geopfert und Thoron begann die alte Macht um Hilfe anzurufen, er bat um die Zerstoerung der Medusa und somit um die Fleischwerdung von uns Steintatuen. Nachdem er mit seiner Bittrede fertig war, kam ploetzlich ein heftiger Nebel auf und Schwefelgeruch breitete sich ueber den Ort aus. Ein rotes Lich war auf einmal im Wald zu sehen und davor tauchte ein hellgekleidete weibliche Gestlt auf. Sie stellte sich als die alte Macht vor und Thoron trug ihr erneut unsere bitte vor. Nach einer kurzen Diskussion liess sie sich auf einen Handel ein, sie wuerde die Medusa endgueltig zerstoeren und damit ihren Steinfluch aufheben, wenn sie dafuer einen Tropfen Blut von jedem Anwesenden als Spende bekaeme. Da wir keine grosse Auswahl anderer Moeglichkeiten hatten, stimmtem wir zu. Es wurde ein Dolch herumgereicht und Tropfen fuer Tropfen auf ihren Altar vergossen bis sie zufrieden war. Dann schnitt sie der Medusa die Haare ab, was diese tot zusammenbrechen liess. Einen Zopf ueberreichte sie uns mit den Worten: "Nehmt diese Haarstraehne und lasst eine Traene einer Jungfrau darueber rinnen, streicht das Haar dann ueber eure steinernen Gefaehrten um den Fluch aufzuheben." Man schaute sich in der Runde um, als ploetzlich alle Blicke auf Bruder Erdinger fielen. Als Moench hatte er ein Keuschheitsgeluebde abgelegt und kam deswegen in Frage. "Ich habe das Gefuehl gleich Schlaege zu bekommen", murmelte der etwas aengstlich dreinschauende Bruder. Diese Angst war jedoch voellig unbegruendet, denn Calandryll hatte schon einen Plan erdacht um eine Traene von dem ansonsten so fidelen Bruder zu ergattern. Unser Magus fing an dem armen veraengstigten Moench eine sehr traurige Geschichte zu erzaehlen. Die Geschichte von einer Welt ohne Gerstensaft, ohne Tavernen, ohne Kraeuterschnaepse, ja selbst ohne Bierkruege. Als Bruder Erdinger das hoerte und begann sich diese Welt auszumalen, wurde er unglaublich traurig und es dauerte nur einige Sekunden da rannen ihm die ersten dicken Traenen die Wangen herunter. Schnell wurden die Traenen aufgefanen und auf die Haarstraehne der Medusa aufgebracht, dann bestrich man uns Statuen damit. Als wir aus unserem steinernen Schlaf erwachten fuehlten wir uns immer noch wie gelaehmt. Es dauerte einige Minuten bis unsere Glieder uns wieder komplett gehorchten. Die alte Macht war inzwischen wieder entschwunden und es schien als waere der Wald vorerst gerettet, wir begaben uns also zurueck in unser Lager.

Der Abend war von ausgelassener Stimmung gepraegt, hatten wir doch bis jetzt alle Aufgaben geloest und alle Gefahren ueberlebt, Sheel allerdings schien nicht ganz zum Feiern zu mute. Sein Sohn Zork fehlte ihm noch, dieser war jetzt da draussen im Wald, moeglicherweise verletzt. Doch heute Abend wuerde man nichts mehr ausrichten koennen, das wussten alle, also einigte man sich darauf morgen bei Tageslicht nach Zork zu suchen. Doch das war nicht das einzige was die Stimmung etwas drueckte, auch hoerte man Geschichten von einem Daemon namens Teshup. Ein verfuehrerischer Daemon soll er sein, der einen mit unerfuellten Wuenschen koedert bis man sich selbst verliert. Es hiess er waere hier im Wald, Sheel warnte uns ausdruecklich davor alleine in diesen Wald zu gehen, da Teshup nur auf leichtglaeubige Opfer warte. Ich beschloss zusammen mit einigen Gefaehrten am Lagerausgang wache zu halten um jeden davon abzuhalten sich diesem Daemon auszusetzen. Jedoch schien keiner von uns ein Treffen mit diesem Teshup fuer wuenschenswert zu halten, so dass unser Wachposten nicht mehr von Noeten war. Aufregung verursachte allerdings eine dunkle Gestalt in einer Kutte, sie hatte eine Kapuze ueber den Kopf gezogen und kam direkt aus dem Wald. Dieses merkwuerdige Geschopf ging geradwegs auf unseren Bruder Erdinger zu, raunte ihm die Worte "Es ist Zeit" zu und verliess das Lager dann wieder auf direktem Weg aber in anderer Richtung. Einige Beobachter, die naeher gestanden hatten, berichteten von Tentakeln, die diese Gestalt im Gesicht getragen haben soll. Sie war auf jeden Fall nun schon wieder im Dunkel der Nacht dieses Waldes verschwunden. Wir waren recht lange wach aber es ereigneten sich keine Merkwuerdigen Dinge mehr, das Lager war ruhig. Schliesslich legte man sich schlafen.

Tag 3

Trotz der seltsamen Erscheinung am gestrigen Abend, verlief die weitere Nacht ereignislos. Auch der Morgen begann recht ruhig mit dem Entzuenden des Lagerfeuers und dem anschliessendem Fruehstueck. Letzteres wurde nur unterbrochen als ploetzlich eine Gruppe Orks aus dem Wald kam. Sie eskortierten den offensichtlich verletzten Zork. Sheel war natuerlich hocherfreut seinen Ziehsohn wieder zu sehen, doch die Orks liessen nur widerwillig einige von uns naeher kommen. Allerdings mussten wir, allesamt mit gezogener Waffe, auch keinen besonders vertrauenswuerdigen Eindruck gemacht haben. Als die Orks merkten, dass wir uns um Zork kuemmern wuerden, zogen sie beruhigt wieder ab in den Wald. Es war schnell klar, dass Zork ausser Gefahr war und er die Verwundung ueberleben wuerde. Zork und Sheel waren nun wieder gluecklich vereint und der Wald ausser Gefahr, es war an der Zeit abzureisen. Das taten wir dann schliesslich auch, natuerlich nicht ohne sich vorher ausfuehrlich bei den Gefaehrten verabschiedet und bedankt zu haben.

© Hannes Hesse ().